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WAS IST AUTISMUS?

Verstehen schafft Orientierung.

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WAS IST ASS?

Autismus ist eine angeborene Besonderheit der neurologischen Entwicklung. Autistische Menschen nehmen Informationen, Reize und soziale Situationen häufig anders wahr und verarbeiten sie anders als neurotypische Menschen.

Diese Art der Informationsverarbeitung begleitet einen Menschen ein Leben lang. Wie sie sich zeigt und welche Auswirkungen sie auf den Alltag hat, ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden.

Deshalb gibt es nicht den einen Autismus.

Jeder Mensch im Autismus-Spektrum bringt eine eigene Persönlichkeit, individuelle Fähigkeiten, Erfahrungen, Bedürfnisse und Herausforderungen mit.

 

Wie kann sich Autismus im Alltag zeigen?

Autismus kann sich in unterschiedlichen Lebensbereichen bemerkbar machen. Nicht alle Merkmale treten bei jedem Menschen auf, und ihre Ausprägung kann sehr verschieden sein.

Häufig zeigen sich Besonderheiten in folgenden Bereichen:

 

Kommunikation und soziale Situationen

Gespräche, unausgesprochene Erwartungen oder mehrdeutige Aussagen können schwer einzuordnen sein. Manche autistische Menschen kommunizieren sehr direkt oder benötigen mehr Zeit, um Informationen zu verarbeiten und eine Antwort zu formulieren.

Soziale Begegnungen können viel Aufmerksamkeit und Energie erfordern. Auch nach einem Gespräch wird manchmal lange darüber nachgedacht, was gesagt wurde und wie es gemeint gewesen sein könnte.

Reizverarbeitung

Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen oder viele gleichzeitige Eindrücke können besonders intensiv wahrgenommen werden.

Was für andere kaum auffällt, kann für einen autistischen Menschen anstrengend oder überwältigend sein. Eine dauerhafte Überlastung kann zu Rückzug, Erschöpfung oder Reizüberflutung führen.

 

Veränderungen und Übergänge

Unvorhergesehene Veränderungen können Unsicherheit und Stress auslösen. Klare Abläufe, verlässliche Informationen und ausreichend Zeit für Übergänge können helfen, sich auf neue Situationen einzustellen.

Planung und Organisation

Aufgaben zu beginnen, Prioritäten zu setzen, mehrere Schritte zu koordinieren oder den Überblick zu behalten, kann viel Energie kosten.

Dabei kann ein Mensch in einzelnen Bereichen sehr selbstständig und kompetent sein und in anderen Situationen dennoch Unterstützung benötigen.

 

Energiehaushalt und Erholung

Viele autistische Menschen investieren im Alltag viel Energie, um soziale Situationen zu verstehen, Reize auszuhalten, Erwartungen zu erfüllen und sich an unterschiedliche Umgebungen anzupassen.

Dadurch kann ein hoher Erholungsbedarf entstehen. Wird dieser über längere Zeit nicht berücksichtigt, können chronische Erschöpfung oder ein Burnout die Folge sein.

 

Interessen und Fähigkeiten

Autistische Menschen verfügen häufig über ausgeprägte Interessen, ein gutes Erinnerungsvermögen, eine besondere Wahrnehmungsgenauigkeit oder die Fähigkeit, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Diese Fähigkeiten können wichtige Ressourcen sein. Entscheidend ist, sie im Zusammenhang mit der individuellen Persönlichkeit und Lebenssituation zu betrachten.

 

Warum entstehen Belastungen?

Nicht jede Belastung entsteht allein durch den Autismus.

Schwierigkeiten können auch auftreten, wenn Anforderungen, Kommunikationsformen oder Rahmenbedingungen nicht zur individuellen Art des Denkens und Wahrnehmens passen.

Missverständnisse entstehen häufig dort, wo autistische und neurotypische Menschen dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen, bewerten oder interpretieren.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur das Verhalten eines Menschen zu betrachten. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Ursachen dahinterstehen und welche Bedingungen dazu beitragen, dass eine Situation gelingt oder belastend wird.

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Meine Haltung zu Autismus

Die Frage, wie Autismus einzuordnen ist, wird heute intensiv diskutiert.

  • Ist Autismus eine Krankheit?

  • Eine Behinderung?

  • Oder Ausdruck von Neurodiversität?
     

Für Wissenschaft, Gesellschaft und Betroffene ist diese Diskussion wichtig.
 

In meiner Arbeit beginnt der Blick auf Autismus jedoch nicht mit einer Definition. Er beginnt mit einem Menschen.

Mit einem Menschen, der vielleicht unter Reizüberflutung, Erschöpfung, Missverständnissen, Schwierigkeiten in der Ausbildung oder im Beruf, Konflikten in Beziehungen oder ständigem Grübeln leidet.
 

Deshalb steht für mich eine andere Frage im Mittelpunkt:

Wie kann dieser Mensch seinen Alltag besser bewältigen und ein Leben führen, das zu ihm passt?

Mir ist wichtig, die Fähigkeiten eines Menschen wahrzunehmen, ohne seine Belastungen kleinzureden. Gleichzeitig sollen Schwierigkeiten ernst genommen werden, ohne den Menschen darauf zu reduzieren.

Mein Ziel ist weder Schönreden noch Dramatisieren.

Mein Ziel ist Verständnis – und daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Alltag.

 

Unterstützung beginnt mit Verständnis

Eine Diagnose kann helfen, die eigene Geschichte neu einzuordnen. Viele Erfahrungen werden dadurch verständlicher und frühere Schwierigkeiten erhalten einen Zusammenhang.

Doch Verständnis allein verändert den Alltag noch nicht.

Erst wenn aus diesem Verständnis passende Strategien, neue Kompetenzen und hilfreiche Rahmenbedingungen entstehen, kann der Alltag nachhaltig erleichtert werden.

Da jeder Mensch Autismus anders erlebt, gibt es keine Lösung, die für alle gleichermassen geeignet ist.

Gute Unterstützung orientiert sich deshalb an der individuellen Persönlichkeit, den persönlichen Zielen und der jeweiligen Lebenssituation.
 

Verstehen schafft Orientierung. Orientierung eröffnet Handlungsmöglichkeiten.

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